Juraj Gregor
Dipl. Ing. Architekt
Kranichsteiner Straße 105
64289 Darmstadt
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Fax 0 61 51 / 97 01-16

MEHRGENERATIONENHAUS IN TRAISA,
ERLÄUTERUNGSBERICHT

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Schaubild

 

 

 

 

 

 

 

 


Problem

Wünschenswert wäre ein begehrter Typus des Wohnens, den heute eine Gemeinde zu bauen hätte, um ihre Einwohner jetzt und künftig zufrieden zu stellen und Neue anzuziehen.

Aber, haben wir eine Vorstellung davon, wie die Wohn- und Lebensgewohnheiten der Bürgerschaft in einer oder zwei Generationen aussehen werden? Können Formen gefunden werden, um die Gefahr einer Desintegration verschiedener Bevölkerungsgruppen zu vermeiden? Das sind Fragen, zu denen man Antworten leider nur mutmaßen kann, die aber dringend als Grundlage für Entscheidungen über langlebige Investitionen, wie den Wohnungsbau, notwendig sind.

Planungsvorgaben und Bautypen zu entwickeln, die für die gesamte Abschreibungsdauer der Gebäudeinvestition und darüber hinaus nachfragerelevant sind, ist aus ökonomischen, ökologischen und sozialen Gründen dringend erforderlich.

 

Analyse

Was früher nur latent vorhanden war, tritt nun offen zu Tage und wird vom Individuum geradezu zelebriert. Die unterschiedlichen Denk- und Handlungsmöglichkeiten der verschiedenen Lebensphasen:

Die jugendliche Ungebundenheit, die Phase der jungen Familie mit ihrer den Aktionsradius eingrenzenden Aufgabe der Kindererziehung, die Phase der erneuten Unabhängigkeit von Kindern, das Seniorenalter und die Hochbetagtenphase.

Die Modifikationen der Lebensgewohnheiten, die diese Lebensphasen mit sich bringen, sind heute obendrein noch erheblich erweitert. Die Existenzform der Singles, das Gruppenwohnen, die freigewählte Kinderlosigkeit, die alleinerziehenden Eltern sind individuelle Interpretationen der Möglichkeiten, die jede Lebensphase bietet.

Es ist daher keineswegs eine akademische Fragestellung, ob sich in diesem Bewegungsfluss dennoch Strukturen entdecken lassen, mit denen zumindest Entwicklungstendenzen erahnt werden können.

 

Fazit

Diesem Bedürfnis folgend, wurde zunächst in den Nieder­landen der handlungsrelevante Begriff „Wohnmilieu“ entwickelt.

Dies ist die räumliche und örtliche Bühne, auf der jene sozialen Gruppen agieren, deren räumlich funktionale Vorlieben Ähnlichkeiten aufweisen oder die selbst in einem symbiotischen Verhältnis zueinander stehen.

Das Wohnmilieu ist eine Art von funktional räumlichen Integrationsrahmen für Lebensstile, die einander ähnlich sind, oder sich in einer für die Beteiligten sinnvollen Weise ergänzen. Es ist zwingend notwendig, diesen Erkenntnissen Rechnung zu tragen, denn nur so kann der Gefahr des Entstehens von nicht bedarfsgerechten Monostrukturen und der daraus folgenden Verslummung, die mit erheblichen gesellschaftlichen Kosten verbunden ist, begegnet werden.

Aus diesen Überlegungen heraus entstanden die nach­folgend beschriebenen „Multi-Flex-Häuser“.

 

Umsetzung

Die Häuser stellen sich auf den ersten Blick als konventionelle, aufgetrennte Doppelhaushälften dar, zwischen die ein Mittellrisalit eingeschoben wurde.

Durch die hier vorliegende Führung der inneren Erschließung und die innere Teilbarkeit dieser Mittelzone ergeben sich äußerst vielfältige Hausgrößen mit ebenso vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten, um den zuvor geschilderten zukünftigen Anforderungen auch längerfristig gerecht zu werden. Die nachfolgende Matrix zeigt, welche Wohnungstypen mit welchen Größen hiermit erreichbar sind, wobei die unterschiedliche Lage der zugeschalteten Räume nicht berücksichtigt wurde, da sonst der Rahmen der Aufstellung gesprengt würde.

Matrix der unterschiedlichen Hausgrößen

Basishaus ohne Dachgeschoss

Zusätzliche Zimmer Zusätzliche Bäder Summe Wohnfläche
0 0 131,00
1 0 146,00
1 1 151,00
2 0 161,00
2 1 166,00
2 2 171,00
3 1 181,00
3 2 186,00
4 2 196,00


Basishaus mit Dachgeschoss

Zusätzliche Zimmer Zusätzliche Bäder Summe Wohnfläche
0 0 177,00
1 0 192,00
1 1 198,00
2 0 207,00
2 1 212,00
2 2 217,00
3 1 227,00
3 2 232,00
4 2 242,00


Die einzelnen Räume der Zwischenzone sind hinsichtlich ihrer Medien an die jeweiligen Versorgungsleitungen beider Häuser angeschlossen und lassen sich über Schalter und Ventile, die in den Trockenbauwänden eingebaut sind, dem jeweils zugehörigen Haus zuschalten. Durch die einfache Umsetzung einer Tür in die dafür vorgesehene Maueröffnung und das Verschließen der nunmehr störenden alten Maueröffnung in Trockenbauweise bleibt die Flexibilität über die gesamte Lebenszeit des Bauwerks mit geringstem Aufwand erhalten.

Um die Eigentumsfragen zu jedem Zeitpunkt unkompliziert und einfach lösen zu können, ist es vorgesehen, jeweils ein Doppelhaus als Realeigentum darzustellen mit einer weiteren Zweiteilung nach Wohnungseigentumsgesetz. Sollten irgendwelche Räume ihre Nutzungseinheit ändern, ist lediglich das Einvernehmen der beiden Nachbarn herbeizuführen.

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